Moin,
also Steffens Vergleichsgrafik sagt leider wenig über die Ähnlichkeit der Segoe mit der Frutiger Next aus, weil er die Frutiger Next nicht zeigt. Welche Vorlage auch immer über OpenOffice als Frutiga verteilt wird - es ist nicht die Frutiger Next. Ich häng mal einen Vergleich ran der Frutiger Next, wie sie aktuell bei Linotype vertrieben wird, mit der Segoe, wie sie vor 1/2 Jahren mal durchs Netz schwirrte. Was sich daran in der Zwischenzeit geändert hat und noch ändern wird bis zum Vista-Launch, weiß ich natürlich nicht. Bedenkt beim Vergleich, dass die Schriften in unterschiedlichen Proggs gerendert sind: Frutiger im Browser, Segoe im Photoshop, das liefert auch schon kleine Unterschiede.
Zur Diskussion fällt mir manches ein:
1. Ähnlichkeiten zwischen Schriften, auch verblüffende, incl. aller denkbaren Raubvorwürfe sind auch zwischen den Großen der Schriftbranche gang und gäbe. Ich sag nur Frutiger/Myriad oder Today/Cronos. Gerade Adobe hat sich da mehrfach hervorgetan mit eigenen Schriften, die anderen, innovativen, erfolgreichen recht ähnlich waren. Himmel, das ist doch in allen Branchen üblich, dass sich Wettbewerber aneinander orientieren, manchmal ist die Zeit halt auch reif für ein bestimmtes Design und dann steigen alle auf den Zug auf. In wieviel Varianten wurde die Helvetica vermarktet? Sie war halt gut, neutral, für alles zu gebrauchen. Und Frutiger ist ihr würdiger Nachfolger: einfach etwas zeitgemäßer, aber genauso neutral und perfekt für 1001 Aufgaben. Und wenn ich sie demnächst auf dem Bildschirm hab, freu ich mich, wenn ich´s gut lesen kann.
2. Die Öffentlichkeit interessiert sich für 1. einen Sch......... , so wie sich die Öffentlichkeit überhaupt nicht für Schriften interessiert. Aber ein Artikel, der MS schlecht macht, der interessiert die Öffentlichkeit plötzlich, da werden dann selbst in der Süddeutschen 10cm geopfert. Und das schreiben dann alle ab: einmal im Netz, plötzlich in allen Blogs und Foren. Die Prominenz der Meldung hat imho nichts mit Schriften zu tun, sondern mit dem ambivalenten Verhältnis von Milliarden PC-Nutzern zu Microsoft.
3. Wenn die Auguren recht behalten, müssen wir MS schriftentechnisch demnächst heilig sprechen. Na gut, nicht heilig, vielleicht selig. Oder zumindest in höchsten Tönen loben

: Es sollen
sechs neue Systemschriften im Rohr sein (von namhaften Schriftschneidern, auch etwa Luc de Groot, im Auftrag von MS gezeichnet, vermutlich mit einer von den Künstlern akzeptierten Honorarvereinbarung

); alle Satzproben, die ich studiert hab, sind absolut vielversprechend. Schaut schon gut aus, selbst ohne Kerning schon. Das wär dann die Fortsetzung von Verdana und Georgia und Trebuchet: Wer eigentlich lobt MS für diese drei Schriften? Wie sähen die Webseiten dieser Welt ohne aus? Und die Arial ist am Bildschirm immer noch gut. Und dass Arial für den gedruckten Satz nur drittbeste Wahl ist - MS zwingt niemand, sie zu gebrauchen. Nur sind 99% der PC-Nutzer zu bequem, sich was anderes zu suchen. MS ist weder Engel noch Teufel, sondern ein gewinnorientietes Unternehmen. Und dabei haben sie uns mit ihren Betriebssystemen gute Schriften für den Bildschirm mitgeliefert. Und wenn sie wirklich illegal sich bereichert haben, mögen ihnen irgendwelche Gerichte ein paar Hundert Mio Gewinnausfallzahlung an die Schriftlabels dieser Welt aufbrummen, gern.
schöne Feiertage Leute,
geht mal in den Gottesdienst,
mein Gesangbuch ist in der Rotis-Familie gesetzt;
also sogar schrifttechnisch ist Weihnachten
noch ein schönes fest!
Steff
PS: kurz rumgegoogelt: was steht eigentlich hinter der Schriftprobe der "Frutiga"??? Hat das überhaupt was mit OpenOffice zu tun, wie´s in Steffens Grafik suggeriert wird? Hab keine verlässliche Infos gefunden.