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Thema: Was machen, wenn das Ei klüger, als die Henne sein will: Wie setzt man Design durch?

  1. #1
    TP-Senior
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    Was machen, wenn das Ei klüger, als die Henne sein will: Wie setzt man Design durch?

    Hallo zusammen,

    das Thema ist vielleicht nicht technischer oder fachlicher Natur, jedoch ein wunder Punkt, den sicherlich jeder Designer kennt und den ich gern diskutieren würde - man lernt ja nie aus.

    Es gibt Kunden, die einem vertrauen und eine Arbeit in die Hand geben. Da heißt es "Du bist der Fachmann, wir vertrauen Dir". Das ist oft die optimale Ausgangslage, um wirklich etwas innovatives zu machen. Der Kunde spricht mit, aber nicht rein - da gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied. Zum Glück sind ist das die Mehrzahl.

    Dann gibt es allerdings hin und wieder mal die Kunden, die "genau" wissen, was sie möchten - oder auch gern mal genau wissen, was sie nicht möchten. Oft werden dann nach und nach Deine Layouts überfahren, bis am Ende irgendwas rauskommt, wo man ungern sein Namen drunter setzt. Vor allem sind es dann auch die Kunden, die nicht begreifen, dass man als Designer objektiv nach vielen Gesichtspunkten arbeitet und nicht nach Lust und Laune etwas hinschustert. Kurrioserweise ist es gerade diesen Leuten wichtig, dass IHNEN das Design gefällt - unabhängig davon, was die Zielgruppe denken mag.

    Wie auch immer: Wie kennt Ihr das??
    Vor allem: wie sollte man sich verhalten? Stur das Design nach Kundenangabe durchballern, denn Kunde ist ja König? Oder sollte man hier seinem Beruf als Designer gerecht werden und den Kunden überzeugen?

    Ich versuche es oft mit einem Mittelweg, allerdings könnte man schon manchmal die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Da händigst Du Leuten ein absolutes Top-Design aus in der Hoffnung, dass die mit leuchtende Augen wiederkommen und dann heißt es "Du hast meinen Entwurf nicht berücksichtig". Ja, das hatte sicherlich Gründe, aber wie bringt man jemandem bei, dass sein Entwurf, öhhm sagen wir mal, "nicht ganz so toll" (unter uns: no go!) ist. Was harmoniert und nicht, sollte man doch eigentlich dem Fachmann überlassen - die Betonung liegt auch "sollte".

    Leicht genervte Grüße
    Soundbear
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  2. #2
    TP-Veteran Avatar von wildmieze
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    Hmm .. ich versuche dann schon, dem Kunden "hilfreich zur Seite zu stehen", wenn es um Designfragen geht. Aber wenn ich merke, daß ich da nicht weiterkomme, dann kriegt der Kunde halt, was er will. Und wenn es grüne Comic Sans auf rotem Grund ist, dann ist das halt so. Ist ja schließlich seine Seite, nicht meine. Im Extremfall schreib ich meinen Namen dann halt nicht darunter

  3. #3
    TP-Special Mod Avatar von webmichl
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    Zitat Zitat von wildmieze Beitrag anzeigen
    ...grüne Comic Sans auf rotem Grund ...
    *urgs*
    Gruß, der Michl


    * * * if you want them to RTFM, make a better FM! * * *

  4. #4
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    Das tue ich ja auch. Bei ganz vielen Kunden klappt das auch prima, vor allem wenn man Leute hat, die auch das WWW gut kennen und nicht "ganz hinterm" Mond leben. Gibt aber auch die, die ihre Powerpoint-Skizze für besser halten, als den Entwurf vom Fachmann.

    Ich finds nur unterm Strich immer sehr kurios. Man geht ja auch nicht zum Arzt, um sich ein Medikament für die eigene Diagnose verschreiben zu lassen, sondern lässt das den Arzt machen. "Schuster bleib bei deinen Leisten" heißt es ja nicht umsonst. Offensichtlich wird das in unserem Berufsstand immer gern sehr subjektiv interpretiert.
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  5. #5
    TP-Veteran Avatar von wildmieze
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    Zitat Zitat von soundbear Beitrag anzeigen
    Man geht ja auch nicht zum Arzt, um sich ein Medikament für die eigene Diagnose verschreiben zu lassen, sondern lässt das den Arzt machen. "Schuster bleib bei deinen Leisten" heißt es ja nicht umsonst.
    Naja .. öhmm .. ich trau Ärzten nicht weiter als ich sie werfen kann, von daher äußere ich schon zwischendurch mal den ein oder anderen Medikamentenwunsch .. .. ich bin bei den meisten auch nicht sonderlich beliebt^^

    Wie gesagt, wenn der Kunde unbedingt was Häßliches will, dann soll er es auch haben. Ich hab auch schon ne grenzwertige PowerPoint-Präsentation 1zu1 umsetzen müssen. Fand ich aber zB immer noch angenehmer als die Kunden, die nie zu einem Ende kommen, weil sie ständig irgendwas ändern wollen. Ich lege zwar normalerweise im Auftrag/Vertrag fest, wie oft ich das Design ändere, und daß der Designprozess bei Start der Umsetzung abgeschlossen ist, bla, aber ab und an will man ja auch kulant sein. Und da fangen dann meistens die Probleme an .. "Ey, ich hab da voll die tolle Seite gesehen. Die haben da ne Uhr drauf, und nen Wetterbericht, und sone Laufschrift für ganz wichtige Sachen, und das Männchen da, das winkt so lustig .. können wir das nicht auch machen?!" ... Kopf -> Wand ..

  6. #6
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    Gut, die Truppe habe ich da eingeschlossen. Die sind nämlich prinzipiell genauso gestrickt, wie die Powerpoint-Helden, nur, dass die sich erst gar nicht die Mühe machen was zu entwerfen, sondern der Meinung sind, dass wenn man das beste aus 10 Seiten nimmt eine Ober-Hammer-Page rauskommt. Da kann ich tausend Mal sagen, dass man seinen eigenen Style finden muss. Die haben irgendwo was gesehen, finden das toll und wollen das genauso haben - unabhängig davon, obs jetzt im Context Sinn macht oder nicht.

    Sicherlich muss man da kulant sein, aber oft verschlimmbessert man die eigene Idee mit jeden Schritt und zum Schluss kommt nur Flickschusterei raus. Ich haue ja auch nicht Pizza und Ente-Süß-Sauer zusammen, weil ich beides mag. Und sowieso, die Analogie zum Arzt war ja eben nur eine Analogie - ich hätte auch den Maurer oder Fliesenleger nehmen können. Es mag ja Ausnahmen geben, aber wenn ich immer klüger sein will, als der Fachmann, der jeden Tag nix anderes macht, sollte ich mir Gedanken machen ...
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  7. #7
    TP-Veteran Avatar von wildmieze
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    Hmmm ... ich denke, viele Leute haben halt den Wunsch, möglichst viel selbst zu bestimmen. Und ich kanns verstehen. Wie beim Maurer und Fliesenleger - wenn die meine Wände nicht genau SO machen wie ICH das will, dann gibbet aber Ärger.
    Ja, kann man natürlich nicht direkt vergleichen, da das Design ja unser Fachgebiet ist und beim Maurer ist das die Technik des Mauerns, in die der Kunde i.d.R. nicht reinredet. Kunden sehen das aber evtl. anders. Ich will blaue Fliesen mit gelben Fugen, ich will rosa Putz mit Glitzer an der Wand, und ich will ne kackbraune Webseite. Für die sind wir wohl auch nur "Techniker", die das umzusetzen haben, was sie sich vorstellen. ... und liegen sie da soooo falsch?

    Und klar ist das nervig. In vielen Fällen auch extrem nervig. Aber solange sie ordentlich bezahlen ....

  8. #8
    TP-Specialist Avatar von His.Master's.Voice
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    Zitat Zitat von wildmieze Beitrag anzeigen
    "Ey, ich hab da voll die tolle Seite gesehen. Die haben da ne Uhr drauf, und nen Wetterbericht, und sone Laufschrift für ganz wichtige Sachen, und das Männchen da, das winkt so lustig .. können wir das nicht auch machen?!" ... Kopf -> Wand ..
    Na, dann wissen wir jetzt vom wem diese Seite stammt.

    @soundbear
    es ist die nackte, blanke und ernüchternde Tatsache, dass man diesen Kunden einfach kein ansprechendes Design verkaufen bzw. schmackhaft machen kann. Sicherlich kannst Du versuchen ihnen dein Design näher zu bringen. Wenn Du merkst das Hopfen und Mals verloren ist, einfach das wie von wieldmieze beschrieben durchziehen.

    Je mehr Du ihnen von Stilelementen, Farben, Anordnungen, Typografie erzählst, halten sie dich wohl möglich noch für einen Spinner. Sie verstehen es einfach nicht.

    Bei dem ersten Kontaktgespräch kannst du ausloten was für einen Kunden du vor dir hast. Hat der Kunde bereits eine Website, fragst man wer diese vor dir gemacht hast. Oftmals kommt dann die Antwort. Ja der Schüler XYZ, der Sohn des Chefs oder die Sekretärin. Dann weist du sofort was dich erwartet und was sie bereit sind zu bezahlen, nämlich sagenhafte 150 €. Kannst dann sofort das Gespräche abbrechen, du hättest gleich noch einen weiteren Termin und so schnell wie möglich abhauen ...
    Gruß HMV

  9. #9
    TP-Veteran Avatar von wildmieze
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    Zitat Zitat von His.Master's.Voice Beitrag anzeigen
    Na, dann wissen wir jetzt vom wem diese Seite stammt.
    LOL .. da fehlt eigentlich nur noch der Mausverfolger

  10. #10
    TP-Veteran Avatar von AnnaStesia
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    ^ Schließe mich HMV an. Am Besten vorher ausloten, ob der potentielle Kunde in diese Kategorie fällt, das geht eigentlich allgemein recht gut. Und wenn man dann doch mal so jemanden an der Backe hat, Zähne zusammenbeissen, das Projekt schnellstmöglich über die Bühne bringen und dem Kunden Aufnimmerwiedersehen sagen. Alles andere ist vergebliche Liebesmüh, wo dann bestenfalls was Halbgares rauskommt. Meiner Erfahrung nach sind diese Leute auch immer knauserig, was die Entlohnung angeht, schließlich hatten sie ja die ganze Arbeit und man selbst war nur die ausführende Hand, die die Website zusammengeklickt hat. Und selbst bei "ordentlicher" Bezahlung muss man sich mal zurücklehnen und darüber nachdenken, was einem die eigenen Nerven wert sind. Und wie man sich und das, was man tut, einschätzt.

    Natürlich gibt es auch jene, die sagen "Hey wir sind doch Kommunikationsprofis! Wenn wir unseren Kunden, das, was wir für richtig halten, unsere fachliche Expertise, nicht vermitteln können, dann ist das unsere Schuld". Das stimmt aber nur bis zu einem gewissen Grad. Manche Dinge haben auch einfach nur mit Menschenverstand, guter Erziehung und gegenseitigem Respekt zu tun. Wenn diese Grundanlagen nicht erkennbar sind, werden wir den Kunden auch nicht zu einem besseren, offeneren Menschen (oder zu einem mit Geschmack) umerziehen können. Ich kenne das selbst, leider neigt man dazu, sich gerade bei diesen Kunden richtig reinzuhängen, sie mit einem umwerfenden Design oder mit mühevoll aufbereiteten Fakten überzeugen zu wollen, dabei haben sie's am Wenigsten verdient. Lieber diese Kraft in die Kunden investieren, die einem vertrauen und die Arbeit zu schätzen wissen.
    Ich weiss es doch auch nicht.
    » www.sightdesign.de «

  11. #11
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    Tja das Leben eines Pixelhelden

    Hallo

    Tjja das Thema kenne ich nur zu gut ...
    Da macht man(n) sich als Designer stundenlang Ideen damit das gut aussieht beachtet sämtliche Gestaltungs und Conversionregelungen und dann kommt da so ein wildgelaufener Sales Mitarbeiter rum der keine Ahnung hat und auch nicht Marketing studiert hat, dem man(n) das Wort Conversion buchstabieren muss und meint er weißß alles besser ... Klar auf der einen Seite muss er verkaufen ( Sales Abteilung ) aber warum machen wir als Designer / Grafiker uns die Mühe bedacht auf gute Conversionen und nach Gestaltungsrichtlinien zu arbeiten ? Ich ärgere mich da seit zwei Jahren ... <

    Ich habe mir jetzt angewöhnt nur noch von Empfehlungen zu sprechen ... "Ich empfehle das so und so zu machen ... " Wenn man(n) dann das Wort Conversion dazu nimmt sind die meisten Pixelhelden von alleine still ... :-) Mit "Ja, aber ..." zu argumentieren ist irgendwie so ein besserwissend welche beide Seiten Designer und Kunden schnell verhärten lässt und dann geht meistens gar nicht mehr weiter ... Mit dem kleinen Zauberwort lassen wir die Meinung des Kundens unangetastet, beurteilen Sie auch nicht weiter aber machen gleich einen noch besseren Vorschlag. Wenn man das ganze geschickt in ein beratendes Gespräch verpackt dann hilft das manchmal extrem weiter ... Probiert es aus !!! ( Kann ich nur empfehlen ) Und wenn es immer noch nichts hilft bekommt er halt das was er will egal wie es aussieht oder wie gut die Conversion ist ...

    In diesen Sinne ...

    MFG

  12. #12
    TP-Senior
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    Die Sache mit der "Empfehlung" ist mal eine gute Idee. Viel macht doch unterm Strich der Ausdruck und wie man etwas rüberbringt. Es kommt sehr selten vor, dass ich Kunden nicht überzeuge -da gibts schon das ein und andere rhetorische Mittel, was die meisten Leute überzeugt. Klar, bei den Hardcore-Fällen heißt es nur: durchziehen. Sicherlich, der Anteil dieser Kunden ist verschwindend klein - glücklicherweise. Interessant ist doch aber, dass das so gut wie alle Designer kennen und sich auch darüber einig sind, wie "viel Spaß" die Arbeit da plötzlich macht
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  13. #13
    TP-Greis Avatar von Philip Fuchslocher
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    Und wenn alles nix hilft, dem Kunden einfach mal das hier vor den Latz knallen…
    (Sofern man in mit eventuellen negativen Konsequenzen kein Problem hat)

    Klick mir - Ich bin ein Link

  14. #14
    TP-Senior
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    Super Teil!! ;-)
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  15. #15
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    Zitat Zitat von Profibanner Beitrag anzeigen
    Hallo
    Ich habe mir jetzt angewöhnt nur noch von Empfehlungen zu sprechen ...
    Ist seit 2 Tagen mein Lieblingsspruch. In der Tat verhaut man sich hier nicht, sondern gibt nur eine Empfehlung. Sowas wie "ich würde ..." oder "eigentlich macht man das so ..." klingt immer nach Klugscheißerei. Die Empfehlung zieht sich hier ganz elegant aus der Schlinge! Unterm Strich kann aber auch keiner behaupten, dass man nichts gesagt hätte. Es soll ja nicht selten vorkommen, dass die Empfehlung doch der bessere Zug war. Logisch ...
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