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11.09.2006, 17:54
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#31
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TP-Specialist
Registriert seit: Mar 2005
Ort: Unterfranken
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Immer der Reihe nach...
Als ich Deutsch studierte, musste ich ungewöhnliche Regeln lernen. Das gebeugte Verb ist normalerweise des zweite Wort im Satz, außer in Fällen, wo es das dritte Wort ist oder aber auch das letzte Wort, je nach dem, wie der Satz hat an.. ähm, angefangen hat. Manchmal kommen am Satzende jede Menge Verbe, eins nach dem anderen, und wenn ich dazu komme, die Verben einzufügen, habe ich bereits vergessen, wie der Satz anfing, und ich muss immer wieder feststellen, dass ich... ähm... hätte mir merken sollen, wie das Satzende hätte... ähm... aussehen... sollen... werden... öhm... haben... sein...
Es gibt sogar eine Geschichte, während einer UNO-Konferenz irgendwann hielt ein deutscher Delegierte eine lange Rede. Auf einmal bekamen die anderen Delegierten von ihren Dolmetschern kein Wort mehr. Nach einer halben Minute meldete sich der englische Dolmetscher und sagte: "Mein Gott, wann kommt er endlich zum verdammten Verb?"
Nicht, dass die Wortstellung in der englischen Sprache einfacher sei, als die deutsche. Im Gegenteil, sie ist viel strenger. Hier zwei deutsche Sätze:
Der Hund biss den Polizisten.
Den Polizisten biss der Hund.
Das bedeutet das gleiche, nur die Betonung ist anders. Im Englischen kann man das aber nicht so machen:
The dog bit the police officer.
The police officer bit the dog.
Der zweite Satz bedeutet, dass der Polizist den Hund biss, was ziemlich ungewöhnlich wäre. Um den zweiten deutschen Satz, mit veränderter Betonung, zu übersetzen, bräuchten wir eine andere Konstruktion. Hier zwei Möglichkeiten:
It was the police officer that the dog bit.
The police officer was bitten by the dog.
Englisch hat nämlich keine echten Fälle, was die Sprache keineswegs leichter macht (wie viele behaupten).
Viele Deutsche machen Fehler mit der englischen Satzkonstruktion: immer wieder sieht man Konstruktionen wie "Live you in Germany?" oder "We not are opening today", was schmerzempfindlichen Muttersprachlern wie Fingernägel auf der Kreidetafel durch Mark und Bein gehen. Sicher, Shakespeare konnte schreiben: "Why look you so sad?" (um ein willkürlich ausgesuchtes Beispiel zu zitieren), aber das war damals, und seit dem hat sich viel getan.
Reduzieren wir einen Satz auf sein Grundgerüst und wir können die Konstruktion von 99% aller englischen Sätze ganz gut beschreiben. Dazu müssen wir ein paar Begriffe lernen:
Ein Hauptverb ist das Verb, dass eine Aktion oder Zustand beschreibt. "Play" ist z.B. ein Hauptverb: "I am playing football" hat zwei Verben, aber nur das zweite ist ein Hauptverb. Das andere ist ein Hilfsverb und ist nur dazu da, um der Grammatik ein wenig zu helfen.
Es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Hilfsverben: to be, to do, to have. Aber aufgepasst: Die können auch als Hauptverb fungieren! In den folgenden Sätzen ist jeweils das erste Verb ein Hilfsverb und das zweite ein Hauptverb:
He is being stupid.
How do you do?
I have had enough of this grammar.
Als Hilfsverb kann nur "to be" allein im Satz stehen:
I am English.
Dann gibt es noch die Modalverben; sie drücken Möglichkeit, Wahrscheinlichkeit, Erlaubnis usw. aus: can/could, will/would, shall/should, may/might, must und ought to. Sie nennen sich auch "unvollständige Hilfsverben", weil sie keinen Infinitiv, keine "ing-Form" und keine "dritte Form" besitzen.
Ein Aussagesatz ist ganz einfach zu konstruieren, und zwar so:
Subjekt - Modalverb - Hilfsverb(en) - Hauptverb - Rest des Satzes
(In den folgenden Beispielen werden die Verben fett geschrieben.)
Ein Beispiel:
John could have made the coffee.
Wir können übrigens mehr als ein Hilfsverb haben:
Betty might have been watching television.
Aber nur ein Modal- und ein Hauptverb. Aber auf bestimmte Elemente können wir verzichten. Die meisten Sätze haben eh kein Modalverb:
Carol has done her homework.
Ein Modalverb kann auch ohne Hilfsverb stehen:
Richie can play the saxophone.
Wie gesagt, kann "to be" als Hilfsverb allein stehen:
It is hot.
Oft gibt es weder Hilfs- noch Modalverb:
He plays piano in the dark.
Selbst wenn wir mehrere Sätze ineinanderschachteln, wird immer diese Reihenfolge beachtet:
John could have made the coffee if he had been a little less lazy.
In diesem Fall: Subjekt - Modalverb - Hilfsverb - Hauptverb; dann Subjekt - Hilfsverb - Hauptverb.
Bei einer Frage wird die Wortstellung ein wenig geändert. Egal, ob ein Fragewort (wie etwa "how" oder "why") steht, wird das Subjekt mit dem Modalverb oder (wenn kein Modalverb vorhanden ist) dem ersten Hilfsverb vertauscht.
Also:
Modalverb - Subjekt - Hilfsverb(en) - Hauptverb - Rest des Satzes
Could John have made the coffee?
Why might Betty have been watching television?
How well can Richie play the saxophone?
Hilfsverb - Subjekt - [/b]ggf. weitere Hilfsverben - Hauptverb[/b] - Rest des Satzes
Has Carol done her homework?
Why is it hot?
Diese Umstellung bezieht sich aber nur auf den Hauptsatz:
Could John have made the coffee if he had been a little less lazy?
Übrigens: Das "Fragewort" kann sehr, sehr lang werden:
Which of these big, green, paperback books have you read?
Aber was ist mit einem Satz, der weder Modal- noch Hilfsverb besitzt? Überlegen wir mal:
He plays piano in the dark.
Laut der Regel, müssten wir das Subjekt mit dem Modalverb tauschen oder, wenn keins vorhanden ist, mit dem ersten Hilfsverb. Wir dürfen aber das Subjekt nicht mit dem Hauptverb tauschen. Was nun?
Wir brauchen einen Platzhalter; ein Verb, das als Hilfsverb dient, ohne selbst irgendwelche Bedeutung zu haben. Und dieses Hilfsverb lautet: "to do".
Immer wieder springt dieses unscheinbare Wesen ein, wenn kein anderes Verb sich in der Lage fühlt, die Verantwortung zu übernehmen. Und jetzt können wir den Satz mit dem Klavier in der Dunkelheit in eine Frage verwandeln:
Does he play piano in the dark?
Das S, das wir vorhin dem "play" angehängt hatten ("He, she it: Das S muss mit") bleibt jetzt bei "do" hängen -- wir brauchen nur ein gebeugtes Verb in jedem Satz. Ähnlich verhält es sich bei der Vergangenheitsform:
He played piano in the dark.
Did he play piano in the dark?
Es gibt eine Ausnahme zu dieser Umstellung. Wenn das Fragewort gleichzeitg das Subjekt ist (oder direkt auf das Subjekt bezogen), wird nichts umgestellt:
Who has seen this movie before?
How many people were in the room?
Und wie machen wir es mit der Verneinung?
Ganz einfach: Das Wort "not" (evtl. auf "n't" verkürzt) kommt, je nachdem, ob ein Modalverb vorhanden ist oder nicht, nach dem Modalverb bzw. nach dem ersten Hilfsverb:
Subjekt - Modalverb - not - Hilfsverb(en) - Hauptverb - Rest des Satzes
John could not have made the coffee.
Betty might not have been watching television.
Richie cannot play the saxophone.
Subjekt - Hilfsverb - not - ggf. weitere Hilfsverben - Hauptverb - Rest des Satzes
Carol has not done her homework.
It is not hot.
Und... klar, mit Sätzen ohne Modal- und Hilfsverb springt "to do" wieder ein:
He does not play piano in the dark.
Bitte merken:
"Cannot" wird zusammen geschrieben -- die anderen Verneinungen (sofern nicht verkürzt) aber getrennt.
"Won't" ist die Verkürzung von "will not".
"Shan't" ist die Verkürzung von "shall not" (im britischen Englisch etwas altmodisch, im amerikanischen Englisch kaum noch anzutreffen).
"Mayn't" ist zwar möglich aber kaum verwendet.
"Mustn't" bedeutet nicht "muss nicht", sondern "darf nicht"; "muss nicht" wird mit "don't have to" übersetzt.
"I am not" kann nur als "I'm not" verkürzt.
Verneinte Fragen sind auch möglich; wie sie aber aussehen, kommt darauf an, ob "not" verkürzt wird oder nicht:
Nicht verkürzt:
Modalverb - Subjekt - not - Hilfsverb(en) - Hauptverb - Rest des Satzes
Hilfsverb - Subjekt - not - ggf. weitere Hilfsverben - Hauptverb - Rest des Satzes
Could John not have made the coffee?
Might Betty not have been watching television?
Can Richie not play the saxophone?
Has Carol not done her homework?
Is it not hot?
Does he not play piano in the dark?
Verkürzt:
Modalverb -n't - Subjekt - Hilfsverb(en) - Hauptverb - Rest des Satzes
Hilfsverb -n't - Subjekt - ggf. weitere Hilfsverben - Hauptverb - Rest des Satzes
Couldn't John have made the coffee?
Mightn't Betty have been watching television?
Can't Richie play the saxophone?
Hasn't Carol done her homwork?
Isn't it hot?
Doesn't he play piano in the dark?
Achtung: "Am I not...?" in der Verkürzten Form heißt "Aren't I...?" (außer im schottischen Dialekt).
Und das war's schon. 99% aller englischen Sätze in einem einzigen Forumbeitrag. Ganz einfach.
Sicher gibt es Ausnahmen, aber die gibt es meistens in literarischen Meisterwerken und Gedichten. Beachtet man stets diese Regeln bei der Formulierung von englischen Sätzen, gewinnt man mit Sicherheit nicht den Pulitzer-Preis, aber es wird nicht so viele peinliche Fehler auftauchen.
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15.09.2006, 15:08
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#32
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TP-Insider
Registriert seit: Aug 2003
Ort: Bonn-Beuel
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Rewboss, erstmal danke für die umfangreichen Ausführungen. Ist wie ein Auffrischungskurs in englischer Grammatik.
Wäre es evtl. möglich, dass Du das kleine, aber sehr praktische Wörtchen "ain't" kurz beleuchtest? Ich weiß, ein Webdesigner sollte gerade dieses Wort NICHT benutzen, aber vielleicht gibt es hier ja jemanden, der für seine Homies ne voll fette shit-site committen muss   . Und da sind "ain't" und doppelte Verneinung natürlich ein MUSS.
Grüße
Wolfgang, der ain't got no clue how to use "ain't" correctly.
__________________
In the beginning there was nothing … then Chuck Norris Roundhouse kicked that nothing in the face and said "Get a job!". That is the story of the universe.
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15.09.2006, 18:42
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#33
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TP-Specialist
Registriert seit: May 2005
Ort: Bad Saulgau
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Zitat:
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Cannot" wird zusammen geschrieben
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Ist das definitiv und immer so? Ich will keinefalls widersprechen, aber ich hab's bisher immer getrennt geschrieben - und es wurde mir noch nie in einer Klassenarbeit als Fehler angestrichen ...
Joa und das "gonna", "wanna" wäre auch cool 
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hätte hätte Fahrradkette - wäre wäre Heckenschere - müsste müsste Nordseeküste - würde würde Sprunglaufhürde - sollte sollte Nick Nolte
Geändert von Stefan (15.09.2006 um 18:47 Uhr).
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15.09.2006, 18:52
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#34
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TP-Moderator
Registriert seit: Jan 2005
Ort: Düsseldorf
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Zitat:
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Zitat von Juiced
Ist das definitiv und immer so? Ich will keinefalls widersprechen, aber ich hab's bisher immer getrennt geschrieben - und es wurde mir noch nie in einer Klassenarbeit als Fehler angestrichen ... 
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Hundertprozentig. Ein Blick ins Wörterbuch wirds bestätigen.
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15.09.2006, 22:56
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#35
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TP-Greis
Registriert seit: Mar 2001
Ort: Berlin, Germany
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gotta - got to
wanna - want to
Slang 
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“My software never has bugs. It just develops random features ...”
» DevShack - die Website des freien Webentwicklers Boris
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16.09.2006, 00:03
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#36
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TP-Supporter
Registriert seit: Feb 2006
Ort: nrw
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ha....das gefällt mir hier ...!
meint: "is not..."
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16.09.2006, 00:23
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#37
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TP-Insider
Registriert seit: Aug 2003
Ort: Bonn-Beuel
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Zitat:
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Zitat von emma1965
meint: "is not..."
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Klar, und nicht nur das. Es kann, soweit ich weiß, jede Art der Verneinung ersetzen. Meine Frage zielt eher auf den korrekten Gebrauch im Hinblick auf doppelte Verneinung hin.
Beispiel:
I ain't no freakin' lawyer. (doppelt)
That ain't gonna work. (einfach)
Wann benutzt man welche Form?
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16.09.2006, 00:55
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#38
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TP-Supporter
Registriert seit: Feb 2006
Ort: nrw
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Zitat:
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korrekten Gebrauch im Hinblick auf doppelte Verneinung
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hmmm...ist denn eine doppelte verneinung überhaupt jemals korrekt?
nie nicht, oder? 
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16.09.2006, 10:13
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#39
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TP-Greis
Registriert seit: Mar 2001
Ort: Berlin, Germany
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Ich hoffe rewboss kann uns das erklären 
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16.09.2006, 14:52
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#40
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TP-Specialist
Registriert seit: Mar 2005
Ort: Unterfranken
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Uff... Also, gerade mit der doppelten Verneinung ist es so eine Sache.
Früher gab es gegen der doppelten (oder sogar drei- oder vierfachen) Verneinung nichts einzuwenden -- das war sogar üblich. Auch heutzutage ist die mehrfache Verneinung in Französisch, Russisch und anderen Sprachen ganz normal. Zum Beispiel, aus dem Russichen:
"...ni nje s kjem sewodnja nje guljaj" (etwa: "und geh heute auch nicht mit jemanden anders aus") -- eine dreifache Verneinung.
Doch irgendwann kamen die englischsprachigen Logiker zum Wort. Wenn zum Beispiel Mick Jagger sing: "I can't get no satisfaction", wird doch die erste Verneinung von der zweiten Verneinung verneint -- logischerweise. Das heißt, Mick meint, es sei ihm unmöglich, keine Befriedigung zu bekommen -- d.h., er wird befriedigt, ob er es will oder nicht.
Nun, die Logiker haben es geschafft, die formelle Grammatik zu prägen, und so heißt es jetzt: In der formellen Sprache bedeutet eine doppelte Verneinung eigentlich keine Verneinung sonder das Gegenteil; in der Umgangssprache wird die erste Verneinung von weiteren Verneinungen meistens halt bekräftigt.
In Sätzen aber wie: "I can't not look" sind formelle und informelle Sprachgebräuche einig: Das bedeutet: "Ich kann nicht weggucken" (obwohl der Anblick mir alles andere als angenehm ist).
Nicht nur die Tatsache, dass die formelle Grammatik die doppelte Verneinung generell verbietet, wenn die Verneinung nicht tatsächlich verneint werden soll, sondern auch die Tatsache, dass in der Umgangssprache die Regeln nicht so klar und deutlich sind, mahnen dazu, die doppelte Verneinung zu vermeiden.
"Ain't" hat eine interessante Geschichte. Oben hatte ich erwähnt, dass es "amn't I?" nur im schottischen Dialekt gibt; man sagt "aren't I?".
Nun, früher sagte man ja generell "amn't I?". Allerdings änderte sich über die Jahrhunderte die Aussprache. Es entwickelte sich zwei verschiedene Varianten, einmal mit kurzem "a" und einmal mit langem "a". Aber auch das "m" wurde immer undeutlicher. Die Rechtschreibung passte sich der Aussprache an: aus der Variante mit kurzem "a" wurde erste "an't" und dann "ain't"; bei der zweiten Variante wurde aus Versehen (wegen der Ähnlichkeit mit der Aussprache von "are") ein "r" hinzugefügt -- also "aren't". Aber die langsilbige Variante wurde aus mir unbekannten Gründen als "besser" oder "schöner" empfunden, so wurde "aren't" als "korrekter" betrachtet als "amn't" oder "ain't". So bürgerte sich "aren't I?" in die formelle Sprache ein, wobei "amn't I?" und "ain't I?" Dialekten vorbehalten blieben.
Später breitete sich "ain't" aus und wird heute oft generell für die Verneinung von "to be" sowie auch von "to have" verwendet -- in vielen englischen Dialekten, besonders im Südosten, wird das "h" oft nicht ausgesprochen.
Generell gilt aber: Die Versuchung, Umgangssprache zu schreiben, um irgendwie "cool" zu wirken, sollte gerade Nicht-Muttersprachler widerstehen. Wenn man es 100%ig kann und angemessen einsetzen kann, ist es in der Tat cool. Macht man aber einen einzigen Fehler, ist es noch schlimmer, als in der formellen Sprache einen Fehler zu machen, denn es sagt aus: "Der Autor hat versucht, cool zu wirken, das hat aber nicht geklappt -- ergo ist er recht uncool."
Und boah ey man, nichts wirkt uncooler man ey, als ein mega-gescheiterter Mega-Versuch, mega-echt-total-cool zu wirken. Man ey.
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17.11.2006, 09:56
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#41
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TP-Senior
Registriert seit: May 2005
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WOW, rewboss! Perfekt, sehr aufschlussreich, sehr hilfreich. Danke für die vielen wertvollen Tipps. Mir dreht sich oft genug der Magen um, wenn viele Leute zum Beispiel den Akzent verwenden statt Apostroph und dann noch sagen "das machen doch viele so" - super Einstellung!
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