Und da isses auch schon. ;)
Ziel des Workshops ist es, solche effektvollen Lichtbilder zu fotografieren:
Schritt 1: Was braucht man?
- Eine LED-Taschenlampe, z.B. so eine hier mit praktischer Handkurbel zum Aufladen. (Bei meiner gibts zwei Einstellungen: drei LEDs auf einmal oder nur die mittlere. Ob es diese Funktion bei der Lampe im Link gibt, weiß ich nicht.)
Wenn man keine LED-Lampe zur Hand hat, geht es sicherlich auch mit einer kleinen, normalen Taschenlampe. Die sind aber in der Regel Lichtschwächer und haben eine größere Lichtstreuung.- Kamera mit Stativ. Bei Digital-Kameras: Großer Akku oder im besten Fall ein direkter Anschluss an die Steckdose. Denn Langzeitbelichtungen verbrauchen sehr viel Strom.
- großer Tisch (Durchmesser 1m) mit weißer Decke
- Zollstock oder Maßband
- Glaskörper (Vase, Flasche, Glas), je nach Geschmack mit oder ohne Wasser. Fingerabdrücke sollte man vermeiden, indem man das Glasobjekt mit einem Tuch anfasst. Wenn man Wasser in das Gefäß reinschüttet, können sich am Rand kleine Luftbläschen festsetzen. Die kann man entweder lassen (gibt einen schönen Perleneffekt) oder mit einem Holzstäbchen von innen entfernen.
Und am wichtigsten:- Ein abgedunkelter Raum, indem man sich halbwegs frei und im schlimmsten Fall blind bewegen kann. Standby-Anzeigen von Fernseher/Monitor oder sonstige Lichtquellen sollten ebenfalls abgeschaltet werden. Für den Aufbau stellt man sich natürlich eine Tischlampe bereit, am besten hinter die Kamera.
Schritt 2: Der Aufbau
Skizze:
Die Kamera wird am Tischrand mit dem Stativ aufgebaut. Weil der Autofokus in der Dunkelheit wenig Sinn macht, wird er manuell eingestellt, bei uns auf 0,5m. Das Glas-Objekt wird dementsprechend mit Hilfe des Zollstocks auf dem Tisch positioniert.
Schritt 3: Kamera-Einstellungen
- manueller Fokus (0,5m)
- Blitz aus!
- kleine Blende: 5,6-8 (Je kleiner die Blende, desto größer die Schärfentiefe. PS: Große Zahl = kleine Blende)
- kleine Brennweite 35mm (lässt sich natürlich variieren. Je größer die Brennweite, desto kleiner die Schärfentiefe.)
- Belichtungszeit: je nachdem wie lange man mit der Lampe rumfuchteln will. Bei mir haben sich ca. 2-8 Sekunden bewährt. Man muss außerdem ein paar Sekunden einplanen um hektisch um den Tisch zu rennen. ;)
Schritt 4: Es gehts los
Bevor die ganze Aktion im Chaos endet, sollte man den Boden nach Kabeln oder fiesen Stolperfallen untersuchen. Die Tischlampe wird ausgeschaltet und man geht in Startposition, mit der einen Hand am Auslöser und der anderen am Knopf der Taschenlampe.
(Kleiner Tipp: man sollte das Display an der Kamera-Rückwand anlassen, damit der Raum - zwecks Orientierung - leicht erhellt ist)
Und Action:
Man drückt den Auslöser, stellt sich vor den Tisch und leuchtet mit dem Lampenstrahl direkt in die Linse. (auch durchs Glas hindurch) Mit Handbewegungen kann man jetzt, wie mit einem Pinsel, Formen und Muster zeichnen.
Wenn man mit dem Lichtstrahl direkt aufs Objektiv zielt, ist die Belichtung logischerweise am hellsten und definiertesten. Fällt der Strahl schräg auf die Kamera, ist er schwächer und unruhiger. Diesen Effekt kann man ausnutzen um Rauch zu immitieren.
Die Lampe sollte dabei immer in Bewegung bleiben, sonst gibts unschöne Punkte und Überbelichtungen. Die Geschwindigkeit variiert von "Gartenzaum streichen", bis "Tennisaufschlag". Auf welche Weise man fuchtelt, bleibt jedem selbst überlassen. Bewährt haben sich kreisende Bewegungen, Reißen, Schütteln, Peitschen oder unkontrollierte Zuckungen. ;)
Damit man später selbst nicht auf dem Bild erscheint, sollte man entweder dem Arm seitlich von sich weghalten, gemütlich durch die Gegend spazieren oder die Lampe frontal vor sich hinhalten, so dass man kein direktes Licht abbekommt.
Die ersten Ergebnisse kann man sich auf der Digitalkamera (wenn möglich) auf dem kleinen Rückdisplay anschauen. Wenn alles geklappt hat, sieht es so aus:
Wenn nicht, sollte man alles nochmal überprüfen.
An diesem Punkt endet das eigentliche Tutorial auch schon. Was man jetzt braucht ist Phantasie und Experimentierfreudigkeit.
PS: Durch die langen Belichtungszeiten bekommen die Bilder meist einen Graustich, der sich mit einem Bildbearbeitungsprogramm beheben lässt.
Zum Schluss noch einige Bilder und ihre Entstehungsgeschichte:
Hier wurde die Vase nicht seitlich sondern direkt von oben aus 10cm Entfernung bestrahlt und ca. 5 Sekunden mit leichten Kreisbewegungen belichtet.
Dieses Bild war schon etwas schwieriger. Die Lampe wurde dicht an die Flaschenrückwand gehalten und mit leichten Pendelbewegungen vom Boden bis zum Flaschenhals geführt und abschließend nach oben verissen. (Belichtungszeit 8 Sekunden, Blende 8)
Dieses Bild wurde von schräg oben fotografiert und seitlich beleuchtet. Die Brennweite ist hier auf ca. 50mm erhöht worden.
Auf Dauer wurde die Vase alleine langweilig.
Sie wurde mit Buch, 30cm vor die Kamera gestellt und ca. 2,5 Sekunden seitlich belichtet.
Das wars für heute.
Fröhliches Experimentieren und Tschüss :)
satre

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