auch wenn es jetzt arg OT wird, bin ja nun mal so ein bisschen vom Fach
Flächen sind wirklich ausreichend da, aber zu wenig Landwirte, die ihre Betriebe auf Bio-Landwirtschaft umstellen.
und das hat nichts mit Dummheit oder Faulheit der Landwirte zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit weggestrichenen Fördermitteln für die wirtschaftlich sehr schwierige Umstellphase:
Ehe die Produkte eines Betriebes zu entsprechend höherem Preis als Bioprodukte vermarktet werden dürfen, müssen erst mehrere Jahre "Umstellung" erfolgen.
Im bisher konventionell bewirtschafteten Acker sind einfach so viele "Gifte" (Pestizide, Kunstdünger usw.), dass die Ernte davon trotz Bio-Bewirtschaftung nicht sofort als Bio-Ware handelbar ist.
Also muss erst mal eine längere Zeit mit entsprechend höherem Arbeitsaufwand und teilweise niedrigeren Erträgen zwar biologisch gewirtschaftet werden, der Ertrag kann und darf aber nur zu Niedrig-Preisen als konventionelle Ware vermarktet werden.
Diese sog. "Umstellphase" ist abhängig von der Bodenqualität und dem Anbauverband (Bioland, demeter ... ) und dauert zw. mind. 1 bis zu 4 Jahren
Das hält kein normaler Landwirt ohne fette Erbschaft im Nacken z.B. mehrere Jahre ohne Fördermittel durch, er ginge pleite.
Im Schnitt muss gut 50% mehr Arbeitszeit und je nach Produkt bis zu 30% geringere Ernte kalkuliert werden.
Früher gab' es sowohl vom Bund als auch in den meisten Bundesländern deswegen sog. "Umstellprämien", um diese Übergangszeit wirtschaftlich erträglich zu gestalten.
Interessanterweise hat unsere momentane ach so marktorientierte Bundesregierung aber genau diese Förderung quasi auf Null zusammengestrichen, hier bei uns in NRW die schwarz-gelbe Landesregierung ebenfalls. In den meisten anderen Bundesländern ist es ähnlich.
Und das ist total widersinnig und unverständlich: der Naturkostmarkt ist nun mal (genau wie die erneuerbaren Energien übrigens) einfach eindeutig ein konstant wachsender Wirtschaftsfaktor, in den letzten Jahren sogar durchgehend im zweistelligen (!!!) Prozentbereich, so ein Wachstum - und das konstant seit Jahren - hat sonst kaum eine Branche.
Im Lebensmitteleinzelhandel waren die Naturkostläden die letzten Jahre neben den Discountern (Aldi, Lidl, Penny) die einzigen Läden mit Wachstum, alle anderen (Edeka, Spar, Rewe, Tengelmann ...) haben Umsätze verloren.
Und: die Bio-Ware für die steigende Nachfrage der Verbraucher muss nun mal irgendwo her kommen, deswegen war die Zusammenstreichung der Umstell-Fördermittel ganz klar ein Eigentor für die deutsche Landwirtschaft. Alle Experten - sogar der ultrakonservative Bauernverband! - haben vehement davor gewarnt!
Das bis Sonntag konservativ regierte Polen hatte hingegen die Zeichen der Zeit erkannt:
absolutes Gentech-Verbot und großzügige Umschichtung der reichlich vorhandenen EG-Agrar-Subventionen in die Bio-Landwirtschaft ... für den Export hauptsächlich Richtung Deutschland
Dort boomt die Bio-Landwirtschaft!
Interessanterweise ebenfalls in Bayern, auch die dortige Landesregierung fördert kontinuierlich die Umstellung "auf Bio", nicht weil Stoiber auf Bio steht, sondern weil er erkannt hat, dass das wirtschaftlich richtig und wichtig ist.
Bayern hat innerhalb der BRD deswegen prozentual die höchste Quote Bio-Landwirtschaft an der Gesamt landwirtschaftlichen Fläche.