
Wir liegen gar nicht so weit auseinander, wie du jetzt vielleicht denkst und ich wollte deine Geschäftsidee gar nicht diskreditieren.
Genauso wie du reflexartig auf eine Statement geantwortet hast, hab ich auf die GEMA, GVL Plattenfirmen Schelte reagiert, weil ich es persönlich leid bin, das immer auf diese Institutionen geschimpft wird und so argumentiert wird, das die an ALLEM schuld sind.
Wie gesagt, ich will die gar nicht verteidigen und ich stehe dem Major business genauso kritisch gegenüber und weiss aufgrund meiner Tätigkeit über die Rendite bei CD Veröffentlichungen über Majors aus eigener Erfahrung genug und brauch mir dazu nur meine Lizenzabrechnungen anzusehen.
Du erzählst mir da auch nichts neues und ich finde diese Situation auch nicht gut.
Aber meine ganz persönliche Meinung zu dem Thema ist, das mehr als 50% der Musikerproblematik hausgemacht sind und dein statement, das du Bands kennst, die 100 konzerte im Jahr spielen und nicht davon leben können, hat mich bewogen, hier noch was dazu zu schreiben.
Dein Beispiel ist nämlich genau der Grund, warum wir ALLE so am kämpfen sind, denn Bands, die hundert Konzerte spielen und nicht davon leben können, spielen offensichtlich zu völlig lächerlichen Gagen und machen damit den Markt kaputt.
Ich erlebe es täglich, das Musikerkollegen Honorardumping betreiben, sei es bei Gigs, sei es bei Unterricht.
Dann wundern sie sich aber, warum sie trotz 100 Gigs im Jahr und 3 Tage Unterricht pro Woche nicht existieren können.
Ich hatte noch letztens eine heftige Diskussion mit einer Kollegin, die eine Musikschule eröffnen möchte und die tatsächlich auf die kranke Idee kam, erstens 10% geringere Gebühren als andere Musikschulen zu nehmen und zweitens, nicht die ganzen 6 Wochen Sommerferien den Unterricht auszusetzen sondern nur 4 der 6 Wochen, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
Da hab ich wirklich nur noch gedacht, jetzt drehen alle durch und nur damit sie vermeintlich ein paar Euros erstmal mehr in der Tasche haben, schrauben sie die Honorare noch weiter runter, wo die doch jetzt schon lächerlich sind.
Genauso erlebe ich bei Gigs, das man von Bands mit Gagen unterboten wird, die absolut unwirtschaftlich sind, weil nach Abzug aller Kosten und Steuern etc. vielleicht 20€ Gewinn am Abend übrig bleiben. Das man davon nicht leben kann, ist ja klar.
Wenn endlich alle Musiker damit aufhören würden, dann gäbe es auch endlich wieder vernünftige Gagen. Ich hab übrigens keine 100 Konzerte im Jahr und kann davon leben, weil ich einfach unter gewissen Mindestgrenzen nicht spiele. Punkt!
Die, die sich ins Fäustchen lachen sind da nämlich die Programmgestalter und Veranstalter, die immer billiger ihr Musikprogramm gestalten können.
Bei Plattendeals ist es das gleiche. Zu viele Musiker kriegen einfach den $-Scheine Blick, wenn sie irgendwo einen Plattendeal angeboten kriegen und unterschreiben dann jeden noch so üblen Vertrag.
Wären da die Musiker endlich wählerischer, dann gingen die Konditionen auch nicht ganz so weit nach unten.
Dieses Open Music Konzept finde ich ja gar nicht verkehrt, wenn es nicht auf kostenlose Musik setzten würde.
Und das ist mein eigentlicher Kritikpunkt an dieser Open Music Sache, das wieder Musik völlig umsonst angeboten wird.
Wenn man Musik umsonst anbietet, will auch irgendwann gar keiner mehr für irgendetwas bezahlen. Unter diesem Problem leiden wir Musiker ja schon genug, das Musik keinen Wert mehr hat, für den man auch bereit ist Geld zu bezahlen.
Noch nie haben die Menschen so viel Musik konsumiert wie heute, aber noch nie waren sie so wenig bereit, dafür Geld zu zahlen. Das kann man bei Konzerten erleben, wenn Leuten schon 8€ Eintritt zu viel sind, während sie mal locker ins Kino gehen und da mal 10€ und mehr lassen oder natürlich beim Verkauf von Tonträgern.
Und meine geschätzten Mitmusiker sind ebenfalls ein Teil des Problems, denn ein Grossteil von den Leuten, verhält sich wider besseres Wissen genauso wie der Rest der Gesellschaft und lädt hundertfach Musik runter, brennt CDs und wundert sich am Ende noch, warum mit der eigenen CD Produktion nichts läuft.
Deswegen bin ich einfach neuen Konzepten, die auf kostenlose Musikangebote setzen sehr skeptisch gegenüber.
Ich erkenne keinen direkten Nutzen. Für kein Geld Musik machen und veröffentlichen kann man ja heute schon genug...

Und wie dann ein Wechsel von kostenloser Musik zu bezahlter Musik noch funktionieren soll, sehe ich einfach nicht.
Unterm Strich kann dan am Ende vielleicht niemand mehr vom Musik machen leben und ob das wirklich das Ziel sein sollte, das Musik nur noch nebenbei gemacht werden kann...
Einen Direktvertrieb, der aber nicht kostenlos sein darf, bin ich allerdings sehr aufgeschlossen gegenüber und da liegt sicherlich eine Chance für uns Musiker.