Beschreibung
Die 1978 in den Niederlanden gegründete Baan Company wurde in den 80ern zu einem aufstrebenden Softwareunternehmen mit dem Spezialgebiet ERP (Enterprise Resource Planning). Bis zur Mitte der 90er wurde Baan der schärfste Konkurrent von SAP und Oracle. 1998 jedoch begann der Abstieg, nicht zuletzt wegen undurchsichtiger Bilanzen und zahlreicher Managementfehler, und Jan Baan schied aus dem Unternehmen. In Der Weg zum Marktführer möchte der Gründer nun den Werdegang des Unternehmens aus seiner Sicht wiedergeben.
Als sich Baan Ende der Siebziger als Finanzberater selbständig machte, konnte er nicht ahnen, wohin es führen würde. Als einer seiner Kunden, ein Computerimporteur, ihn nicht bezahlen konnte, erhielt er von diesem ersatzweise einen Rechner – was den unerwarteten Einstieg ins Softwaregeschäft auslöste. Es folgten zwei Jahrzehnte geschäftlicher Aktivität mit vielen Erfolgen und Misserfolgen. Der Autor versteht es, das Geschehen recht lebhaft zu schildern, doch was über die bloße Darstellung hinausgeht, ist selten ebenso gelungen.
Viel zu oft verstrickt Jan Baan sich in widersprüchlichen Äußerungen: Zuerst schreibt er, dass er nichts von "Visionen" halte, und wenige Seiten darauf beteuert er dann, dass die stets gegenwärtige Vision die treibende Kraft des Unternehmens Baan gewesen sei. An anderer Stelle weiß er, dass das Einstellen externer Manager anstelle der Beförderung interner Angestellter auf Management-Positionen eine Ursache für den wirtschaftlichen Untergang gewesen sei – nur um ein Kapitel später zu erwähnen, dass der von außerhalb angeworbene COO (Chief Operating Officer) Tom Tinsley für das Fortbestehen von Baan von besonderer Bedeutung war.
Zudem ist das Buch angefüllt mit Trivialitäten und Binsenweisheiten wie beispielsweise der Erkenntnis, dass jedes Unternehmen einerseits sein Überleben sichern und andererseits expandieren möchte. Und dass der ehemalige CEO eines Global Players sich tatsächlich darüber aufregt, dass Banken dazu neigen, schwächelnden Unternehmen keine Kredite zu gewähren, ist lächerlich. Die Hoffnung, Einblicke in die Entscheidungsfindung von Managern zu erhalten, die große Verantwortung tragen, wird viel zu oft enttäuscht: Meist lesen sich Baans Darstellungen so, als habe er munter ins Blaue gemanagt und die Erfolge seien nur Zufälle gewesen. Das jedoch scheint bei einem für lange Zeit so erfolgreichen Unternehmen mehr als nur unrealistisch.
Man muss allerdings einräumen, dass der Autor recht gut erklärt, mit welcher Motivation und auf welche Weise das Unternehmen sich mit Risikokapitalgebern zusammenschloss. Auch ist das Konzept des Baan-Netzwerks sehr gut dargestellt.
Fazit
Die Geschichte des Unternehmens Baan ist mit Sicherheit eine äußerst interessante, und der Firmengründer weiß wahrlich eine Menge zu berichten. Dass der Leser zu den ungeklärten Mauscheleien Mitte der Neunziger keine objektiven Informationen erwarten darf, ist aber klar. Und warum das Werk "Pflichtlektüre" für alle Manager sein soll, wie es im Vorwort heißt, verschließt sich dem aufmerksamen Leser völlig. Man sollte also keine zu hohen Erwartungen stellen – alles wirklich Lesenswerte ließe sich auf weit weniger Seiten unterbringen.