Montag, 24. Februar 2003: Es war soweit – wir mussten Abschied nehmen.
Mulder, Scully ... Ihr habt uns über neun Jahre begleitet. Nein – wir haben Euch über neun Jahre begleitet. Im Kampf gegen all die Unwissenden, gegen alle Feinde der Menschheit. Wir haben Euch begleitet, mit Euch gezittert. Waren mit euch verzweifelt. Haben immer nur gedacht: Mein Gott, was sind das bloß für Menschen, die uns Unwissende so an der Nase herumführen? Die uns benutzen, die uns für Dumm verkaufen? Die ihre Macht jenseits der demokratischen Organe im Land der Demokratie missbrauchen um ihre eigene Machtsuppe zu kochen?
Wir waren Montags immer für Euch da, sind neun Jahre vom Herbst bis zum Frühjahr Montags ab 20:15 nicht an die Tür gegangen wenn es geklingelt hat. Wenn das Telefon klingelte haben wir es klingeln lassen. Wie auch beim Finale (was sind das für Leute die Montags wenn die X-Files kommen/kamen, telefonieren müssen...? – haben sie denn in den letzten 9 Jahren nichts dazu gelernt; Ungläubige ...). Wir waren für Euch da und haben mit Euch gezittert. Wir haben aber auch mit Euch gelacht.
Unsere Freunde und Freundinnen: - entweder sie verstanden es - oder sie hatten Sendepause ... Daydreamers Partnerin hat diesen Beziehungshärtetest überstanden – Sie sind ein Ehepaar. Bei ml kam es nicht dazu. In den 9 Jahren kamen einige und sie gingen wieder. Aber Mulder und Scully – sie blieben bestehen – Wir blieben ihnen treu. Wie haben wir Mulder um diese tolle intelligente, aber immer sehr eigen- und scharfsinnige Frau und Partnerin beneidet .... Ach Scully .....
Es sind nur böse Zungen, die behaupten, um 21:15 wenn die Welt halbwegs gerettet war, hätten wir als Zeichen für unsere irdischen Kontakte die Rolle Tesakrepp aus der Schreibtischschublade geholt und ein Kreuz an die Scheibe geklebt. So wie es Mulder immer tat um Kontakt mit seinem V-Mann bei der Regierung aufzunehmen... Wir haben Anteil an Mulders Familiendrama genommen. Wir mußten miterleben wie der Krebskandidat erst die Schwester entführen ließ und dann durch Kryschek Mulders Vater ermorden ließ. Wir haben Anteil genommen an Scullys Familiendrama. Wir haben gezittert und gebangt als Scully entführt wurde . Wir mussten miterleben, wie sie Ihr Kind weggab – um die Menschheit zu retten ...
Wenn Scully in Quantico oder irgendwelchen dubiosen Orten in Amerika, in denen man als normaler Mensch nicht mal tot übern Zaun hängen möchte, Obduktionen durchführte und in irgendwelchem Glibber und Schleim herumwühlte – blieb uns so manches Mal das Abendessen im Halse stecken. Aber wenn Scully das schafft – dann war es doch ein Akt der Solidarität weiter zu Essen. Es ist doch eh alles nur Film und Fiktion ... War es doch?
Film: ja – Fiktion: .... na ja – ich weiß ja nicht .... denn wer will allen Ernstes behaupten, das wir wirklich „allein“ sind. Überhaupt: Was sollen denn diese ganzen untauglichen Erklärungsversuche von „Roswell“ – denn wie heißt das alte Sprichwort: Wo Rauch ist, ist auch Feuer ....
Für die „Ungläubigen“: Was hat denn die Faszination dieser Serie ausgemacht?
Neben den oft wirklich guten Stories waren es doch Mulder und Scully. Es war Mulder, der durch nichts, aber auch gar nichts von seinem festen Glauben abzubringen war. Der alles, auch sein Leben dafür eingesetzt hat, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen und an Tageslicht zu fördern. Es war seine Ruhe, seine Ausgeglichenheit, die uns gefallen hat - diese konnte er doch nur haben, weil er sich seines Glaubens und seiner Sache so ungeheuer sicher war. Wir haben mit ihm gelitten, wenn diese Ungläubigen wieder mal blind mit offenen Augen die Zeichen nicht erkennen wollten. Wie wären am liebsten selbst vor diese FBI-Kommisionen getreten und hätten sie geschüttelt und sie mit Ihren Nasen darauf gestoßen. „Seht Ihr denn nicht!!!???“
Zum anderen war es Scully - eine Frau mit scharfem Verstand, Herzenswärme und eignen Überzeugungen, die alles einsetzte und riskierte, um Ihrem Freund und Kollegen Mulder beizustehen.
Es war die Freundschaft dieser beiden Personen - neun Jahre arbeiteten sie als Kollegen zusammen. Neun Jahre entrannen sie mehrfach nur knapp dem Tod. Neun Jahre standen sie sich in den schlimmsten Stunden des Lebens gegenseitig bei. Sie waren sich so vertraut - und doch hatten Sie immer dieses letzte kleine Stück Respekt und Distanz gewahrt. Neun Jahre (bis zur letzten Folge) haben sich die beiden überwiegend mit dem Nachnamen angesprochen und waren „per Sie“. Und es hat neun Jahre gedauert, bis man deren ersten Kuß gesehen hat (eigentlich kitschig). Erst in dieser letzten finalen Folge war es da: Das „Du“ – Ein „Du“ dem ein beneidenswert starkes „Wir“ inne wohnte .... Endlich durften die beiden sich offen bekennen. Durften uns alle teilhaben lassen an ihrer immens starken Liebe, an ihren immens starken Gefühlen für einander. Endlich durften wir teilhaben. So manches mal in den letzten 9 Jahren dachten wir: „Mein Gott nun nimm ihn/sie doch endlich in den Arm“. Aber es war auch diese leidenschaftliche Distanz, mit allen ihren Leiden, die diese Serie so faszinierend machte.
Um diese Freundschaft habe ich (DD) die beiden immer beneidet.Es war der Kettenraucher, der uns all die Jahre faszinierte. Eine Person, die nach ihren eigenen Überzeugungen lebte und diese mit allen Mitteln und aller Macht durchsetzte. Wie oft ist er letztendlich der Gewinner dieser Serie gewesen!? Wie oft ist es ihm gelungen, letztendlich alle hinters Licht zu führen. Ein Mensch dem es gelang, wirklich alles zu beeinflussen. Ein Mensch, der viele Direktoren und Präsidenten hat kommen und gehen sehen. Ein Mensch, der aber auch unter seinen Wissen, seiner Macht gelitten hat. Ein Mensch, der selber einen hohen Preis zahlen musste und letztendlich an seiner Macht zerbrach. Der aber, wie das „Syndikat“ zeigte, selber nur eine Marionette war. Unvergessen ist die Folge seiner „ersten Ermordung“.
Sind wir mal ehrlich: Was wäre denn passiert, wenn er mit seinem Wissen an die Öffentlichkeit getreten wäre? Der „Mutant“ wäre Seite an Seite mit Kryschek – dem Symbol allen Bösens, dieser Katze mit den neun Leben - bei Jay Leno oder Harald Schmidt gelandet – um dann der panischen Welt bei Oliver Geissen und Arabella mitzuteilen, das auch sie wahre Menschen sind ....
So sehr wir dem „Krebskandidaten“ gewünscht haben, er möge in der Hölle schmoren, er wird uns auch fehlen. Obgleich wir ihm den Mord an „Deep Throat“ nie verzeihen werden .... Aber Freunde – da bin ich mir sicher: der Krebskandidat ist dem „flammendem Inferno“ im Finale entkommen. Er sitzt in irgendeinem Tipi, raucht seine Marlboro und spinnt seine Intrigen weiter. Denn er wird noch gebraucht...
Es war aber auch „Agent<Terminator>Dog-it", der uns faszinierte - er war Klasse. Auf seine Art. Obgleich er an den genialen Mulder nie heran kam. Es dauerte sehr lange bis er sich dem stellte was er erlebte – was er erleben musste.
Es war aber auch Agent Ryes – eine attraktive Frau, auch sie hatte was - aber gegenüber Scully ....
Dann war da auch noch Kryschek – Was haben wir den gehasst ... Aber irgendwo war Kryschek auch eine faszinierende Persönlichkeit. Das personifizierte Schlechte. Aber ist es nicht gerade das „Schlechte“ was uns alle fasziniert?
Dann natürlich – last but not least – Assistant Director Skinner (alleine schon der Name). Ein sehr kritischer Vorgesetzter, ein Vorgesetzter der immer wieder den schwarzen Peter übernehmen musste. Aber auch ein Vorgesetzter der trotz so mancher Zweifel voll hinter Mulder und Scully stand, der ihnen immer wieder den Rücken frei hielt. Der auch ein hartes persönliches Schicksal hatte. Seien wir mal ehrlich: wer wünscht sich nicht einen Chef wie „Skinner“?
Tja und dann sind da noch die „Kreuzritter“. Die „Heiligen Drei Könige“. Wie oft haben die für Mulder und Scully die Kastanien aus dem Feuer geholt. Wo wären Mulder und Scully ohne diese drei Musketiere? Wenn die ganze Welt gegen Mulder und Scully war: die drei wussten immer noch einen Ausweg. Wenn die drei auftauchten – dann war der Spaß, die Ironie gesichert. Selbstlos wie sie waren haben sie sich geopfert. Obgleich: ich bin mir sicher, sie haben es überlebt. Wie herrlich war der „Windrichtungsgag“ im Finale mit den „Kreuzrittern“ und Mulder in der Wüste ....
Überhaupt die Gags und Anspielungen in den neun Jahren. Wie herrlich war so manches mal die Selbstironie mit der Chris Carter die „X-Files“ und alle Beteiligten sich selbst auf den Arm nahmen. Unvergessen die Folge, in der verschärft auf die Vergangenheit von David „Mulder“ Duchovny als Pornodarsteller und seinem Outing als „Sexmaniac“ angespielt wurde. Mein (ml) persönlicher Gag-Favorit war die schräge Folge, die in einem Zirkus mit den skurillsten Gestalten unter „Gottes Sonne“ spielte. Was habe ich gelacht ... Oder als finale Anspielung in der finalen Folge der Staatsanwalt mit dem „typisch amerikanischen“ Namen „Caldenbrunner“. SS-Kaltenbrunner lässt grüßen ...
Zugegeben, es gab so manchen „Hänger“ in den neun Jahren – aber dann gab es wieder eine oder mehrere Folgen die für alles entschädigten. Das waren dann allerdings Folgen, die nur die absoluten Insider verstehen konnten. In denen Bezug genommen wurde auf Ereignisse und Personen die lange Zeit zurücklagen. Das konnten nur Hardcore X-Filer richtig einordnen.
Gab es aber auch jemals zuvor eine TV-Serie die derartig polarisierte?
Wir kennen nur Leute die bedingungslos jeden Montag vorm Fernseher saßen oder solche, die nach einer Folge, vielleicht auch zwei Folgen, sagten „Schwachsinn – sowas schaue ich nicht“ ... na ja - sollen die doch weiterhin „GZSZ“ gucken – das schauen wir nicht ....
Das Geheimnis dieser Serie waren die Geheimnisse an sich. Andeutungen, Verschleierungen - und die Wahrheit, ist sie wirklich ans Tageslicht gekommen? Keiner weiß es.Neun Jahre sind jetzt endgültig vorbei. Abgeschlossen von einem herrlichem Parforce Ritt durch neun Jahre X-Files ....
In den letzten Jahren oder Jahrzehnten gab es kaum ein Serie im TV die derartig faszinierte. Die derartigen langfristigen Kultstatus erreichte. Klar - es gab immer wieder Serien, die kurzfristig ganz „nett“ waren. Aber: Wer redet heute noch von ... und ... oder ... ?
Aber ich denke mal es gibt wenige Serien im TV über die wir irgendwann unseren Enkeln mit leuchtenden Augen berichten werden. Mir fällt da neben den „X-Files“ nur „Raumpatrouille Raumschiff Orion“, „Die 2“ (The Persuaders), „Raumschiff Enterprise“ (das Original), „Dallas“, „Invasion von der Wega“, „Bonanza“, „Auf der Flucht“ und der unvergessene „Alf“ ein. Alles Serien, die Kultstatus erreicht haben und die vor allen Dingen „Genre-Begründend“ waren.
Nun soll es also vorbei sein ....?
Vorbei die Zeiten der Unerreichbarkeit, die Zeiten des „Do not disturb“? Vorbei auch die Zeiten in denen ernsthafte X-filer ernsthaft darüber diskutierten, warum Scully nie die Fahrersitze der Autos verstellen musste, die Mulder zuvor gefahren hat? Ich (daydreamer) war lange Zeit Member in einem deutschen X-File-Forum. Wie habe ich gelechzt nach den Hintergrundinformationen. Wie habe ich mitdiskutiert, als wären die Geschehnisse der Serie Wirklichkeit.....
Vorbei die Zeiten in denen man sich auf Mulder und Scully freuen durfte? Vorbei aber auch die Zeiten der unerträglichen Cliffhanger von der einen zur nächsten Staffel? Das soll alles vorbei sein ...? Das kann nicht sein.
Vielleicht stößt irgendjemand beim FBI in ein paar Jahren wieder auf die X-Files und beginnt, darin zu stöbern. Es würde sicher eine Menge Stoff zum Verfilmen geben.
Aber Halt – Stop – Cut:
Ab dem 14. März haben wir Hardcore X-filer wieder einen festen Termin ... auf Kabel1. Denn da kommen sie wieder – (hoffentlich) alle Folgen. Mit den üblichen Konsequenzen: Kein Telefon, Streß mit der Ehefrau, der Freundin, den Freunden. Das Tesakreppband ist auch wieder griffbereit ....
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen und es wird Ihnen nicht gelingen, sie zu verbergen. Leute, haltet die Augen offen und seid wachsam!
(Daydreamer und MasterL)





