Im ersten Quartal des Jahrhunderts ersetzten neuronal gesteuerte Programme schnell die herkömmliche Software. Zunächst durchaus hilfreich für den Menschen, entwickelten diese intelligenten Programme hier und da jedoch rasch ein Eigenleben. Und je mehr sie sich über das Netz verbreiteten, desto größer wurde ihr Einfluss auf das menschliche Verhalten. Der Werbeindustrie wurde als Erstes das ganze Ausmaß des Potenzials klar, das man ihnen auf diese Weise zur Manipulation der menschlichen Wahrnehmung in die Hände gespielt hatte.
Um das Konsumverhalten steuern zu können, machten sich die Forscher eine lang unbeachtete Eigenschaft des menschlichen Gehirns zu Nutze, und zwar die, dass es ein Wort schneller lesen als Farben erkennen kann. Denken wir uns einige Wörter, die Farben beschreiben, wie z.B. orange, blau, grün, schwarz, rot. All diese Wörter besitzen die entsprechende Farbe. Es ist ein Leichtes, diese von einer Versuchsperson vorlesen zu lassen. Vertauscht man nun aber die Farben - das Wort 'orange' erhält also etwa blaue Buchstaben - und fragt in einem zweiten Schritt unabhängig vom Wort nach dessen Farbe, so kommt der Befragte automatisch ins Stocken, da er das Wort bereits gelesen hat, die aufgenommene Information jedoch mit der visuellen Wahrnehmung kollidiert.
Auch die Regierung und das Militär kamen nun schnell dahinter, welche Möglichkeiten sich hieraus ergaben. Seit Menschengedenken war es das Streben nach Macht, das den Menschen zu neuen Erfindungen geführt hatte. In geheimen Laboren wurde der T-Virus entwickelt, geschaffen, um die vollständige Kontrolle über den Menschen an sich zu reißen. Längst hatten die intelligenten Programme die Erdenbürger bereits so beeinflusst, dass sich das Leben in virtuellen Landschaften abspielte. Jeder Winkel der Erde war mittlerweile vernetzt und mit Hologramm-Simulations-Software ausgestattet. Updates wurden automatisch eingespielt und durch die Regierung überwacht.
Irgendwann wusste eigentlich keiner mehr, wie und wann er kontrolliert wurde. Durch einen Fehler geriet der T-Virus außer Kontrolle und übernahm die Herrschaft über die Menschheit. Seit diesem Tag feierten die Maschinen ihren T-Patch Day. Inzwischen übte das Maschinennetzwerk seine Knechtschaft schon über dreißig Jahre aus. Da Maschinen nahezu fehrlerfrei sind, konnten sie immer schnellere und bessere Systeme entwickeln. Längst war das T-Modell, der Robotor in Menschenform, kaum mehr von seinem Ebenbild aus Fleisch und Blut zu unterscheiden.
Nachdem sich das menschliche Leben auf ein virtuelles Dasein beschränkte, verwaisten die Städte und Straßen zusehends. Auch der öffentliche Nahverkehr wurde nutzlos, da niemand mehr mit dem Zug oder der U-Bahn fuhr. Infolgedessen lockerten die Maschinen in diesen Bereichen die Überwachung, und schließlich wurde darauf ganz verzichtet. Doch in einem vereinsamten U-Bahnschacht hatte sich eine kleine Gruppe Menschen über Jahre hinweg der Kontrolle entziehen können. In einer stillgelegten Lounge hatten sie ihr Hauptquartier eingerichtet.
Über das weit gespannte U-Bahn Netz konnten die Verbündeten an Verteilerstationen das Netzwerk der Maschinen anzapfen. Doch das System der Maschinen schien unknackbar. Immer wieder versuchten die Rebellen, Fehlercode in das verhasste Netzwerk einzuspielen. Dieses arbeitete jedoch nach dem Prinzip des Fehlerausschlusses, weshalb er umgehend erkannt und eliminiert wurde.
Da das Maschinennetzwerk zudem nach der Evolutionsmethode arbeitete und somit ständig perfekter wurde, blieben den Rebellen kaum Ansatzpunkte. Heftig wurde darüber diskutiert, wie man das Übel an der Wurzel packen könnte. Dann kam einem Gefährten die rettende Idee. Der steuernde Netzwerkkern beruhte auf Programmcode, der vererbt wurde. Somit war der Ursprungscode als schwächste Stelle ausgemacht! Aufgrund der Komplexität arbeiteten die Rebellen mehrere Monate an der Recodierung. An einem Tag im Juni des Jahres 2053 schließlich wurde der Human-Patch in das System eingespielt ...