Ausnahme von iBook und Xserve lässt sich jeder Mac ab Werk mit einem von Apple als SuperDrive bezeichneten DVD-Brenner ausgestattet ordern.
Bis auf den G5 – der standardmässig mit einem solchen Laufwerk geliefert wird – ist der Aufpreis jedoch beachtlich. So zahlt man für den noch verfügbaren Doppelprozessor-G4 im Apple Store stolze 420,– Euro mehr gegenüber dem mit einem kombinierten DVD/CD-RW-Laufwerk ausgerüsteten Modell, um in den Genuss eines SuperDrive und weiterer 256 Megabyte RAM zu kommen. Legt man einen durchschnittlichen Strassenpreis von ca. 80,– Euro für den zusätzlichen Arbeitsspeicher zu Grunde, so schlägt der DVD-Brenner mit 340,– Euro zu Buche.
Möglichkeit 1: Einen internen oder externen DVD-Brenner verwenden
Prinzipiell lässt sich jeder auf dem Markt verfügbare DVD-Brenner an einem Mac nutzen, je nach Rechnermodell entweder als fest im Rechner verbaute Komponente oder als externes Laufwerk via USB 2.0 oder FireWire.
Hierbei gibt es jedoch eine enorme Einschränkung. Das Mac OS erkennt den Großteil dieser Brenner zwar generell als solche, verweigert jedoch das direkte Brennen über den Finder mittels dem Dienstprogramm Disk Burner. Auch die beliebten iApplikationen (iTunes und Co.) verweigern die Zusammenarbeit. Navigiert man im System Profiler (Apfelmenü > Über diesen Mac > Weitere Informationen) zum Punkt ATA, zeigt der Eintrag unter Medium brennen in diesem Fall ein Nicht unterstützt. Um dennoch Daten auf einer DVD zu archivieren, ist man daher auf Software wie Roxio Toast angewiesen. Dieser wohl bekannteste Vertreter der Gattung Brennprogramm auf dem Mac bringt eigene Treiber mit und sollte das Laufwerk korrekt identifizieren.
Wer nicht auf den vollen Funktionsumfang des etwa 100,– Euro teuren Programms angewiesen ist, kann auch die Lite-Version verwenden, die lediglich einige rudimentäre Funktionalitäten bietet. Zu finden ist diese abgespeckte Variante beispielsweise als kostenlose Dreingabe auf der Heft-CD der Februar-Ausgabe der Zeitschrift „MacUp“.
So weit, so schlecht. Aber es geht auch anders. Mit einem kleinen Trick lässt sich zumindest der Finder zum brennen einer DVD überreden. Die Zeitschrift „Macwelt“ hat zu diesem Zweck ein Programm namens Patchburn bereit gestellt. Man findet es für für Mac OS 10.2 und 10.3 kostenlos auf der Website über die Suchfunktion.
Patchburn modifiziert systemeigene Treiber des Mac OS dahin gehend, dass das Gros der verfügbaren internen bzw. externen DVD-Brenner im System Profiler den Status DRDevice SupportLevel Unsupportet erhält. Obwohl dies zunächst nicht viel besser klingen mag, sollte dem Brennen per Disk Burner nun nichts mehr im Wege stehen. Auch die iApplikationen dürften sich nun toleranter gegenüber dem neuen Laufwerk zeigen. Lediglich iDVD wird nach wie vor den Dienst verweigern, da das Programm eigene Treiber verwendet, die von Patchburn nicht beeinflusst werden. Eine weitere Einschränkung offenbart sich im Falle eines eventuell anstehenden Updates der Brenner-Firmware. Die entsprechenden Installations-Programme sind in der Regel nur für Windows-Rechner verfügbar. Man muss das Laufwerk in diesem Falle ausbauen und in einen PC verfrachten.
Möglichkeit 2: Ein vollwertiges SuperDrive
Um aber nun in den wirklichen Genuss eines SuperDrive zu kommen, bleibt nur die Möglichkeit, tatsächlich ein solches einzubauen. Leider bietet Apple keine Möglichkeit, einen entsprechenden DVD-Brenner über den Apple Store nachträglich zu beziehen. Bei eBay und ähnlichen Gebrauchtbörsen sind diese Laufwerke ebenfalls rar, ein Verkauf rechnet sich ob der hohen Anschaffungskosten auch kaum.
Bei dem momentan angebotenen SuperDrive handelt es sich jedoch um das frei verfügbare Pioneer DVR-106D. Der Strassenpreis für dieses Laufwerk liegt bei etwa 120,– Euro. Hat man etwas Glück und bekommt beim Hardware-Händler eine Version, welche die exakte (!) Bezeichnung DVR-106D trägt und mindestens über die Firmware-Version 1.07 verfügt, so stehen dem vollen DVD-Genuss eigentlich keine Hürden mehr im Weg.
Man sollte sich bei Kaufabsichten allerdings etwas beeilen, da es sich um ein Auslaufmodell handelt und der Nachfolder, das DVR-107, bereits in den Startlöchern steht. Für den Mac-Besitzer empfiehlt sich übrigens der Erwerb einer sogenannten „Bulk-Version“. Dabei bekommt für gewöhnlich nur das Laufwerk ohne weitere Software oder bunte Umverpackung. Da die mitgelieferte Software allerdings nur unter Windows lauffähig ist, dürfte diese Tatsache zu verschmerzen sein.
Beim Einbau Pioneer-Laufwerks sollten sich keine besonderen Schwierigkeiten ergeben. Eine bebilderte Anleitung für das MDD-Gehäuse (mit dem die G4-Macs seit August 2002 ausgeliefert werden) findet man direkt bei Apple. Lediglich die Laufwerksblende des neuen Brenners passt leider nicht durch die entsprechende öffnung des Gehäuses und muss abgenommen werden. Dazu drückt man die Unterkante vorsichtig nach vorne und zieht die Blende dann nach oben weg. Wem die hierdurch entstehende Optik missfällt, der kann sein Geschick mit einer kleinen Feile unter Beweis stellen und die beiden oberen Ecken mit einer entsprechenden Rundung versehen. Besonders kompliziert ist diese Arbeit glücklicher Weise nicht, eine Ein-Cent-Münze eignet sich ideal als Führung.
Bevor man sich allerdings durch diesen Eingriff eventuelle Umtausch-Rechte verbaut, sollte ein hoffnungsvoller Blick in den System Profiler erfolgen. Wird der neue Brenner hier mit dem Status Medium brennen: Unterstützt /Geliefert von Apple, so hat man es geschafft und verfügt nun über ein vollwertiges SuperDrive. Mit diesem können DVDs nun sowohl über den Finder als auch direkt aus den iApplikationen inklusive iDVD gebrannt werden. Zudem erhält man eventuelle Firmware-Updates direkt über die Software-Aktualisierung des Mac OS.
Zwei Tipps zum Schluss
Wer sich nach erfolgreichem Einbau des neuen SuperDrive nun fragt, wie er selbiges öffnen kann, sollte einen Blick in die Menüleiste werfen. Hier findet sich ein entsprechendes Symbol, über das man bequem das zu öffnende bzw. schliessende Laufwerk wählen kann. Noch komfortabler geht es mit der Medienauswurftaste des Apple Pro Keyboard. Ein einfacher Druck öffnet den oberen Schlitten, während gleichzeitiges Drücken mit der Wahltaste den unteren Schacht öffnet.
Unter Xlr8YourMac findet man des Weiteren eine umfangreiche Datenbank mit Anwenderberichten zur Kompatibilität vieler DVD-Brenner und anderer Laufwerke. Hier sollten sich in Kürze auch Informationen zum oben erwähnten Pioneer DVR-107 finden lassen. Vor dem Kauf gehört ein Blick auf jeden Fall zum Pflichtprogramm.
Autor: (Lars Beck)




