3. Benutzbarkeit
3.1 Begriffe
Zunächst muss der Begriff Usability erläutert werden. In den letzten beiden Abschnitten wurde das Problem rein theoretisch erläutert. Deutlich wird dabei die Fokussierung auf den Surfer als Zielobjekt erklärt. Alle Bemühungen, Software-Anwendungen ergonomischer zu gestalten, sind in der leichteren Bedienung für den Benutzer begründet. Im Webdesign spielt das eine besonders große Rolle, da die meisten Benutzer nicht erst angelernt werden sollen, um eine Seite benutzen zu können.
Folglich ist hier also unter Usability das Gestalten von Webseiten unter dem Gesichtspunkt der einfachen und verständlichen Bedienung für den Endverbraucher gemeint.
3.2 Elemente
Eine Internetseite erscheint für den ungeübten Benutzer mit Sicherheit eher unstrukturiert und durcheinander. Dieses ist vor allem mit der neuen und unübersichtlichen Oberfläche, die es erst einmal zu erkunden gibt, zu erklären. Ein Grund dafür, dass das Internet für Menschen, die dieses Medium nicht regelmäßig nutzen, kein Werkzeug für ein schnelleres Erreichen eines Ziels ist. Diese Leute sind viel zu sehr mit dem Erfassen der Zusammenhänge beschäftigt [10].
Grund genug, eine Seite von vornherein übersichtlich aufzubauen, um sie so einfach wie möglich zu halten. Um einem Layout eine Struktur zu geben, müssen wir die einzelnen Bereiche in ihre Funktionen unterteilen. Da gibt es zum einen die Navigation, die zum Springen zwischen den einzelnen Dokumenten gedacht ist, und zum anderen gibt es den Inhalt, der so viel wie möglich Informationen für den Benutzer bereithalten soll. Auf kommerziellen Seiten sollte die Werbung nicht vergessen werden. Allerdings nimmt sie sehr oft einen viel zu großen Stellenwert ein.
3.3 Platzaufteilung
Die Anordnung der einzelnen Elemente ist an entsprechende Seitentypen gebunden (Punkt 3.7). Jakob Nielsen beschreibt eine generelle Aufteilung mit „20% für die Navigation, 50-80% für den Inhalt und max. 30% für kommerzielle Zwecke“. Für das klassische Seitendesign wurde von Michael Bernard von der Wichita State University [11] eine Studie durchgeführt. Testpersonen sollten in einem Raster auf dem Bildschirm anzeigen, wo Sie bestimmte Seitenelemente erwarten.
In dieser Studie wurde nachgewiesen, dass sich bestimmte Standards bei den Benutzern herausgebildet haben. So wird zum Beispiel die Navigation von den meisten Benutzern an der linken Seite erwartet . Aber diese Anordnung ist nicht nur durch die Erwartungshaltung der Benutzer zu untermauern. Es ist bekannt, dass Personen Strukturen von oben nach unten schneller aufnehmen und verarbeiten können als etwa von links nach rechts. Weiterhin wird der linke Tabellenrand in Quelltext des HTML-Codes weiter oben als der Inhalt geschrieben. Somit wird die Navigation als Erstes angezeigt, und der User kann sich einen Überblick verschaffen, wo er ist und wie er weiterkommt. Weiterhin ist die Lage der Navigation an die gewohnte Leserichtung angelehnt. So wird in arabischen Ländern die Linkleiste oft rechts angeordnet.
3.4 Navigation
Die Navigation ist ein Hauptbestandteil einer Webpräsenz. Sie verlinkt die Dokumente, und wir können über diese Funktion zwischen den einzelnen Seiten wechseln. Bei der Planung einer Webseite sollte als Erstes die Strukturierung der Dateien untereinander organisiert werden. Es gibt zwei Möglichkeiten, die Dateien zu verbinden. Erstens linear und zweitens global.
Bei der linearen Struktur baut eine Seite auf der anderen auf, und man kann nur von einer zur nächstfolgenden springen. Diese Methode wird vor allem bei Registrierungen verwendet, bei denen der User eine Folge von Operationen durchführen muss. Viel öfter ist im Internet die globale Vernetzung der Seiten zu finden. Bei dieser kann man jederzeit auf jede beliebige Seite in dem jeweiligen Angebot springen. Weiterhin gibt es noch die Gitterstruktur zur Navigation, bei der man linear auf einer Seite vordringen, aber auch immer auf eine parallele Ebene wechseln kann. Zum Schluss möchte ich noch die Baumstruktur erwähnen. Sie ist bereits vielen Surfern vom Aufbau des Rechners bekannt. Somit ist zu erwarten, dass die meisten Benutzer mit dieser Struktur relativ schnell zurecht kommen. Da sich damit ein Projekt auch im Nachhinein in Breite und Tiefe sehr einfach erweitern lässt, wird diese dann auch oft bei der Verbindung der Seiten benutzt.
Diese Grundstrukturen sind oft nicht in Reinform machbar, somit ist häufig eine Kombination verschiedener Verbindungen zu sehen. Ein weiters Merkmal einer Navigation sollte sein, dass man immer erfährt, „Wo man ist, Wo man war, und Wo man hingehen kann?“ [12]. Das bedeutet, dass eine Navigation die Benutzer nicht nur weiter ins Projekt leiten soll, sondern auch rekursiv funktionieren muss.
Es hat sich herausgestellt, dass sich zum Navigieren vor allem drei Arten/Typen durchgesetzt haben. Für größere Projekte sollte zwischen den einzelnen "Navigationstypen“ auf jeden Fall unterschieden werden. Da sind erstens die Link-User. Sie verwenden vor allem die angebotenen Navigationsleisten um sich innerhalb eines Projektes zu bewegen. Zweitens gibt es die Benutzer der projekteigenen Suchmaschinen, welche selbige bemühen, um schnellstmöglich ans Ziel zu gelangen. Zum Schluss gibt es noch die User, die zuerst im Sidemap nach der gewünschten Seite suchen. Ab einer gewissen Größe sollte es als selbstverständlich gelten, alle diese "Typen" zu bedienen.
Die Navigation dient als Werkzeug zum Lösen verschiedener Probleme. Sollten Ziele nicht erreicht werden, ist die Internetseite unbrauchbar und kann in Hinblick auf die Benutzerfreundlichkeit keine gute Bewertung bekommen.
3.5 Inhalt
Mit dem Inhalt steigt und fällt die Internetpräsens. Folglich sollte er auch im Mittelpunkt der Seite stehen.
Er sollte vor allen Dingen aktuell sein. Das Internet als ein schnelllebiges Medium sollte auch als solches von den Anbietern genutzt werden. Eine Seite, auf der seit einem Jahr keine Veränderung vorgenommen wurde, wird nicht zum Wiederkommen einladen.
Weiterhin sollte der Inhalt auf den Nutzer bezogen sein. Das heißt vor allem, dass man entweder die Zielgruppe genau kennen, oder aber den Inhalt so allgemein wie möglich halten sollte. Weiterführende Informationen sollten erst auf tieferen Ebenen erläutert werden. Somit kann der Benutzer selber entscheiden, ob er ein Angebot wahrnehmen will oder nicht.
Ein weiteres Kriterium für guten Inhalt ist die Glaubwürdigkeit. Es sollte alles möglichst persönlich und nachprüfbar übermittelt werden. Zum Nachprüfen reicht es aus, wenn man, wie aus den Printmedien bekannt, Zitate zum Beispiel mit entsprechenden Bemerkungen versieht.
3.6 Text
In den letzten Jahren wurde in einer Vielzahl von Studien herausgefunden, dass der Text eines der wichtigsten Elemente auf einer Webseite ist. So zeigte zum Beispiel die ARD/ZDF-Online-Studie 2002 [13] dass die Mehrzahl der Benutzer an Nachrichten und aktuellen Informationen im Internet interessiert ist. Unterhaltungsangebote kommen bei dieser Studie erst an vorletzter Stelle der genutzten Onlineinhalte.
Text hat weiterhin eine Vielzahl von technischen Vorteilen. Zum einen kann er von Suchmaschinen indiziert werden, um ihn später entsprechend weiter zu verarbeiten, zum anderen braucht er nur einen Bruchteil des Speichervolumens von Bildern. Eine andere wichtige Eigenschaft des Textes ist es, dass er in Braille-Schrift (Blindenschrift) übersetzt von Blinden gelesen werden kann. Und obwohl der Text immer an eine Sprache gebunden ist - und das durchaus auch ein Usability-Problem sein kann (auf einer russischen Seite können sich nur die wenigsten Leute zurechtfinden) - ist der Text durch seine vielen Vorteile zur Übermittlung von Informationen bestens geeignet. Aufgrund dessen wird der Text hier auch sehr ausführlich behandelt. Dass Texte oft nur selten und kurz gelesen werden, hat verschiedene Gründe. Als Erstes sollten die Unterschiede zu gedruckten Texten erwähnt werden, denn diese Unterschiede machen sich in der Aufnahme und Verarbeitung der Texte bemerkbar.
Jacob Nielsen beschreibt, dass nur 16% der User den Text Wort für Wort lesen. Die restlichen 79% überfliegen und „scannen“ den Text [14]. Wobei feststeht, dass man, je tiefer man sich in eine Seite bewegt, desto eher bereit ist, Texte ausführlich zu lesen. All diese Gründe führen am Ende dazu, dass wir die Texte am Monitor nicht nur etwa um etwa 1/3 langsamer lesen, sondern auch weniger tief verarbeiten.
Während diese Beipiele nur unsere physiologischen Anforderungen als Mensch zeigen, sind weiterhin auch soziale Aspekte zu beachten. Währen der User am Monitor sitzt, läuft die „Online-Zeit“, für die er bares Geld bezahlen muss, weiter, und oft ist nicht klar, welchen Bildungsgrad der Leser der Internetseite haben wird. Diese Menge an Beispielen lässt sich fast endlos fortführen, aber um das Problem zu verdeutlichen, ist das oben Genannte sicherlich ausreichend.
Nachdem die Schwierigkeiten beim Lesen von Texten nun bekannt sind, gilt es, diese entsprechend zu formatieren und einfach zu schreiben. Mit Formatieren ist vor allem die Schriftart und -größe gemeint.
Dabei sollte möglichst eine serifenlose Schrift wie „Arial“ oder „Veranda“ benutzt werden. Diese Art von Schriften lassen sich am Monitor besser lesen als etwa „Times New Roman“. Als Schriftgröße sind 10 Pixel als unterste Grenze anzusehen. Normalerweise sind 12 Pixel zum leichten Lesen der Texte angebracht. Das Setzten von sehr kleinen Texten macht sich unter anderem auch auf einem Apple Rechner stark bemerkbar. Auf einer Apple-Plattform stellt das System alles etwa um 1/3 kleiner dar als ein Windows-Rechner. Die Texte werden dadurch unlesbar.
Durch diese erste Formatierung sollte man erst einmal sicherstellen, dass jeder die Schrift überhaupt entziffern kann. Als nächstes muss der Text in Abschnitte untergliedert werden, damit der Leser erstens ein Ende erkennen (und sein Ziel vor Augen hat) und zweitens sich beim Lesen einfacher orientieren kann.
Unterteilt man den Text in mehrere Abschnitte ist die Textwüste nicht nur optisch besser aufbereitet, auch die Lesbarkeit für den Benutzer wird erhöht.
Als Letztes gilt es den Artikel in einer für das Internet besonders geeigneten Weise zu schreiben. Dabei hat sich der „Inverted Pyramid style“ [15] als besonders geeignet erwiesen.
Bei dieser Art, einen Text zu verfassen, schreibt man den Inhalt und die Schlussfolgerung am Anfang. Erst im Verlauf des Textes folgen die Einzelheiten und Analysen. Durch diese Zusammenfassung am Anfang kann der User sehr schnell entscheiden, ob der Text für ihn interessant ist, oder ob er sich für eine andere Seite entscheidet. Ein weiterer Vorteil ist, dass man oft nicht bis zum Ende lesen muss, um den Inhalt zu verstehen. Eine entscheidende Erleichterung für den Leser, der das mit Sicherheit auch zu schätzen weiß.
Beim Schreiben sollte der Text auch öfters nach Rechtschreibfehlern oder unbekannten Insiderbegriffen durchsucht werden. Dies ist ein Zeichen von Unprofessionalität und sollte auf Webseiten vermieden werden. Auch sollte der Text nachprüfbar erscheinen, im Grunde sollte die gesamte inhaltliche Qualität der Texte an die eines redaktionellen Anbieters angepasst sein, denn nichts anderes ist die Veröffentlichung einer Internetpräsenz.
Schließlich stellt sich noch die Frage, ob ein langer Text auf mehrere Seiten verteilt oder auf einer Seite untereinander geschrieben werden soll. Darauf lässt sich nicht pauschal antworten.
So erreicht man durch Verteilen des Textes auf mehrere Seiten zwar Übersicht für den Leser, aber lange Landezeiten beim Seitenwechsel, Leseunterbrechungen beim Seitenwechsel, und der Mehraufwand beim Download oder Ausdrucken der Texte macht diese Vorteile wieder zunichte.
Bei langen Texten hingegen kann es passieren, dass wichtige Inhalte unter dem unteren Bildschirmrand verschwinden und die Navigation durch das Herabscrollen nicht mehr auf dem Bildschirm sichtbar ist.
An den unterschiedlich gelagerten Vor- und Nachteilen kann man Gewichtungen beim Erstellen der Seiten erkennen. So wird kaum ein Surfer, wenn er sich nur über ein Thema nur einen Überbilck beschaffen will, eine Seite komplett ausdrucken. Ist man aber an einem speziellen Artikel interessiert, steigt die Bereitschaft, einen langen Text zu durchforsten.
Daraus kann man schließen, dass ein Dokument, je tiefer es sich in der Hierarchie befindet und je spezieller das Thema ist, auch umso länger sein kann. Auf Seiten, die nur der Übersicht oder Zusammenfassung dienen, sollte auf lange Texte komplett verzichtet werden. Zum Schluss ist noch zu erwähnen, dass viele Benutzer die Webseiten aufgrund der oben genannten Gründe ausdrucken.
Diesen Wunsch sollte man entsprechend bedienen und eine Download-Variante bereitstellen. Eine weitere Möglichkeit ist, mit CSS-Style-Sheets eine fürs Drucken optimierte Version bereitzustellen. Hat ein Layout zum Beispiel einen roten Hintergrund, kann man durch entsprechende Formatierung durch Style-Sheets beim Ausdrucken unnötige Farben aus dem Layout entfernen.
[10] Frank Puscher (2001): Das Usuabillity Prinzip. Heidelberg: dpunkt-Verlag
[11] psychology.wichita.edu/surl/usabilitynews/41/web_object-ecom.htm
[12] www.useit.com/alertbox
[13] www.ard.de/ard_intern/mediendaten/index.phtml
[14] www.useit.com/alertbox/9710a.html
[15] Frank Puscher (2001): Das Usuabillity Prinzip. (S.36-45). Heidelberg: dpunkt-Verlag
>>> Zum 4. Teil von Usability - Das Erfolgskonzept // zur Übersicht >>>>
Autor: Nico Lange